Mittwoch, 13. April 2011

Über Handys, Qualität in Bildung, kleine Kinder und Feiertage

Ich habe mir ein paar Themen überlegt über die ich diese Woche schreiben werde und besonders das erste Thema wollte ich schon lange mal erwähnen. Handys! Was für eine tolle Erfindung für die Entwicklungsländer. Die Länder können ohne großes Investment in Festanschlüsse trotzdem von der neu erungenen Verbundenheit und Aktualität profitieren. Die Erfolgsgeschichten sind zahlreich und ich zweifel nicht an den positiven Auswirkungen die diese Technology auf den Osten hatte. Aber es gibt auch die andere Seite der Münze über die nicht oft jemand redet. Die Handys machen die Leute hier genauso verschlossen und gestresst wie uns Westerner. Nur hier irgendwie noch schlimmer. Sie haben ihre Handy's IMMER und ÜBERALL dabei. Die Jugendlichen spielen laute Musik auf ihren Handys so dass der ganze Bus gestört wird. Leute ziehen ihre Handys aus den Taschen während dem Essen, während Geschäftsbesprechungen und während Unterhaltungen. Sie entschuldigen sich nicht etwa dafür dass sie den Anruf annehmen, nein im Gegenteil sie schreien in das Telefon ohne Rücksicht auf andere als müssten sie direkt mit der anderen Person über zwei Kilometer hinweg reden. Hier im Büro klingeln die Handys andauernd und das manchmal für eine ganze Minute lange (wie lange lässt man es denn klingen bevor man checkt dass keiner da ist???) Aber der deutlichste Hinweis darauf dass die Technologie zwar übergewandert ist, die Benimmregeln aber nicht, ist dass selbst die katholischen Schwestern ihr Telefon immer bei sich haben, es in der Kirche laut klingeln lassen und den Anruf sogar entgegen nehmen. Ich sitze oft allein beim Essen weil die anderen gerade unbedingt telefonieren müssen. Da frag ich mich schon wie viel gutes so eine Technology wirklich in sich hat?

Das ist die örtliche Kirche, und ja es klingen Handys andauernd!
Das Schuljahr ist gerade zu Ende gegangen und das neue startet in einer Woche. Die Kinder haben ihre Noten erhalten und ich habe mich mit ihnen ein wenig über das Notensystem unterhalten. Wie sich herausstellte bekommt man als Schüler hier Prozente. Wenn man mehr als 70% hat zählt man schon zu den Besten. Man braucht nur 40% um zu bestehen aber selbst wenn man mal in einem oder zwei Fächern nur 30% hat, werden die Kinder oft trotzdem vorgerückt. Da ist wirklich Qualität wichtig :)
Ein anderes gutes Beispiel passierte Gestern. Schwester TEssa hat schon seit langem Bein Schmerzen. So wie sie es beschreibt denke ich hat sie sich etwas gezerrt und der Rücken ist auch verspannt. Ich habe ihr ein paar Übunge gezeigt aber sie bevorzugt Medizin. Es ist nicht besser geworden also ging sie gestern ins Krankenhaus. Und wisst ihr was sie dort gemacht haben? Sie haben den Blutdruck gemessen und ein Blutbild gemacht. Ich habe sie dann gefragt was sie sich denn davon erhofft und dann meinte sie: "Ja der Arzt meinte durch das Blutbild kann er herausfinden was mit dem Bein los ist???!?!" okay... Die andere Schwester hatte Bauchschmerzen, sie haben ein Röntgenbild gemacht und ihr auf der Aufnahme dann ihre Geährmutter gezeigt und sie vermessen. Bloß blöd dass die Schwester vor drei Jahren ihre Gebährmutter hat entfernen lassen.  Da ist wirklich Qualität am Werk!

Kleine Kinder sind ein viel besseres Thema. Als erstes will ich euch über Tschumu erzählen. Tschumu ist ungefähr fünf Jahre und sie ist ein Energie Bündel. Sie will immer spielen, auf meinen Arm genommen werden, herumgewirbelt werden oder sonst irgendwie toben. Das hat aber zur Folge dass sie meist gegen sechs uhr abends müde ist (aber da findet Andacht statt). Folglich ist sie die letzten drei Tage immer eingeschlafen. Erst im sitzen aber dann haben es die Schwestern gemerkt und sie gezwungen aufzustehen. Es hat nicht lange gedauert dann war sie im Stehen eingeschlafen! zu lustig!
Dann gibt es da noch Sneh! Sie ist erst drein ein halb und kam vor kurzem ins Kinderhaus. Ihre Mutter ist HIV infiziert und sehr arm. Sneh ist eigentlich total lieb, aber gestern hat sie für 45 Minuten durch geschrien. Die Schwestern haben vieles versucht aber es ist eben schwer für ein so junges Kind von seiner Mutter getrennt zu werden. Am Abend war sie dann aber wieder gut gelaunt und hat mit uns gespielt.
Ich habe mit ein paar der Kindern einen Zug gebastelt, indem all die Kinder als Passagiere sitzen. Seht selbst, aber ich glaube dass sich die paar Stunden Arbeit gelohnt haben :)


Tuk Tuk Train

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Das ist das Energiebündel Tschumu!

Sneh ist in meinem linken Arm!
Diese Woche gibt es einige Feiertage. Bei den meisten weis ich nicht warum oder wieso, nur Morgen, da ist Nepali Neujahr. Aber Feiertage sind hier sehr anders. Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit mit einer relativ jungen Mitarbeiterin zu reden. Sie hat mir viele interessante Dinge erzählt. Zum Beispiel dass sie es nicht wirklich bei Plan mag, es gibt andauernd irgendwelche kleinen Streits zwischen den Mitarbeitern und alles sei so Bürokratisch. Niemand nimmt die arbeit ernst und alle seien so langsam in ihrer Arbeit ihrer Meinung nach. Sie sagte auch dass sie oft von den männlichen Mitarbeitern diskriminiert wird. Sehr interessant. Sie sagte mir dann dass sie keine Feiertage mag, erst hab ich sie nicht verstanden aber dann erklärte sie dass sie zu Hause nichts zu tun hat und sich immer nur langweilt. Und ich kann das inachvollziehen. Die Leute hier wissen nicht wie man einen Familientag plant oder verbringt, wie man mit Kinder spielt oder was unternimmt. Also gehen sie lieber in die Arbeit. Selbst ich kenne das Gefühl von Langeweile hier sehr gut und ich habe ein ganzes Haus voll mit kleinen Energiebündeln. Da versteht man schon warum sie auch an Feritagen und Wochenenden arbeiten.

Namaste für Heute, wie gesagt es kommen viele Feiertage und ich weis nicht wann ich wieder online gehen kann, aber vielleicht komme ich ja einfach Sonntags zum Arbeiten :)
Annika

1 Kommentar:

  1. Hallo Annika,
    da hast du ja wieder einen echt beeindruckenden Blog geschrieben. Man kann sich alles so richtig bildlich vorstellen.
    Der Zug mit den Fotos ist wirklich gelungen, habt ihr toll gemacht, ich würde auch sagen, dass sich die Investition gelohnt hat. Auch die Fotos mit den Kindern auf dem Arm sind sehr beeindruckend, du machst deine Arbeit gut und irgendwann denkst du mit Wehmut an die Kinder, Land und Leute, weil du dann wieder bei uns sein darfst und kannst, alles zur Verfügung hast, was du brauchst...... und weißt, dass es da irgendwo anders auf der Welt eben bei weitem nicht so ist. Wie wird deine Zukunft aussehen, was habensie für Eine???
    Ich bin stolz auf dich und das was du leistest.
    In Liebe deine Mama

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